Ängste

In Deutschland leiden in jedem Jahr fast zehn Millionen Menschen an einer Angsterkrankung. Das ist etwa ein Fünftel der Bevölkerung.

Angst ist ein Gefühl, das jeder kennt.

Wenn man Angst hat, dann erlebt man etwas als beunruhigend, bedrohlich, gefährlich. Die Aufmerksamkeit ist ganz auf das fixiert, was so beängstigend erscheint, das Herz schlägt schneller, die Atemfrequenz steigt. Bei starker Angst treten oft noch weitere Symptome auf: Schwitzen, Zittern, weiche Knie, Mundtrockenheit, Kloßgefühl im Hals, Atemnot, Hitzewallungen oder Kälteschauer, Kribbelempfindungen oder Taubheit in Armen und Beinen. Es fühlt sich womöglich so an als würde einem die Kehle zugeschnürt, der Magen scheint verrückt zu spielen oder es wird einem schwindelig.
An und für sich ist Angst eine natürliche und gesunde Reaktion des Körpers, die uns normalerweise dabei hilft, angemessen auf brenzlige Situationen zu reagieren, das heißt schnell und effektiv zu handeln und dadurch die Gefahr abzuwehren oder ihr zu entfliehen. Angst motiviert uns außerdem, in Zukunft ähnliche Situationen zu vermeiden, wodurch wir uns vor erneuter Gefährdung schützen.

Zum Problem wird Angst dann, wenn sie immer wieder in Situationen auftritt, in denen in Wirklichkeit gar keine Gefahr besteht. Dann spricht man von einer Angststörung.

Eine sehr verbreitete Angststörung ist zum Beispiel die Agoraphobie oder Platzangst. Menschen, die an Agoraphobie leiden, bekommen Angst, wenn sie sich in einer Menschenmenge befinden – beispielsweise in einem Einkaufszentrum, in der U-Bahn oder in der Schlange vor der Kasse im Supermarkt –, wenn sie einen öffentlichen Platz überqueren müssen oder wenn sie alleine weit weg reisen. Sie wissen zwar eigentlich, dass die Menschenmenge oder die Fahrt in den Urlaub keine besondere Gefahr birgt, aber es fühlt sich für sie dennoch so an als ob. Deshalb vermeiden viele Agoraphobiker diese für sie ängstigenden Situationen und das führt dann nicht selten dazu, dass ihr Leben durch die Angst immer stärker eingeschränkt wird.

Ebenfalls häufig kommen soziale Phobien vor.

Patienten, die an einer sozialen Phobie leiden, haben vor allem Angst vor Situationen, in denen sie im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen – beispielsweise wenn sie vor anderen sprechen oder vor anderen essen müssen, wenn sie zufällig jemandem auf der Straße begegnen, wenn sie an einer Gruppenaktivität teilnehmen sollen oder wenn sie auf eine Feier eingeladen sind. Sozialphobiker befürchten nämlich, sie könnten sich in diesen Situationen vor den anderen peinlich oder erniedrigend verhalten. Die meisten befürchten außerdem, dass man ihnen ihre soziale Angst anmerken könnte – weil sie zum Beispiel erröten oder zittern oder weil sie häufig auf die Toilette gehen – denn das wäre ihnen ebenfalls sehr peinlich. Auch hier kommt dann der Wunsch auf, die angstauslösenden Situationen zu vermeiden. Viele Menschen mit sozialer Phobie überwinden sich trotzdem immer wieder dazu, die ihnen unbehaglichen sozialen Situationen aufzusuchen. Dies ist jedoch mit erheblichem Stress verbunden. Einige spielen vor jedem Treffen im Kopf immer wieder durch, was sie in welcher Situation sagen könnten, um sich gewappnet zu fühlen, oder sie analysieren nach jeder Begegnung, welche Patzer ihnen unterlaufen seien und was die anderen jetzt womöglich über sie denken könnten.
Eine dritte große Kategorie der Angststörungen bilden die sogenannten spezifischen Phobien. Hierzu gehören unter anderem die Angst vor Spinnen, vor Schlangen, vor Hunden oder vor anderen Tieren, die Angst vor dem Autofahren, vor Fahrstühlen und vor engen Räumen, die Höhenangst, die Flugangst und die Prüfungsangst sowie die Angst vor Krankheiten, vor Arztbesuchen, vor Blut, Verletzungen und Spritzen. Wie die Agoraphobie und die soziale Phobie führen auch diese phobischen Störungen häufig zu Einschränkungen des Lebens und zu erhöhter Stressbelastung.

Die genannten Angststörungen gelten, insbesondere wenn frühzeitig interveniert wird, zu Recht als psychotherapeutisch sehr gut behandelbar.

Selbst bei stark chronifizierten Ängsten lässt sich durch Psychotherapie oftmals eine deutliche Linderung herbeiführen. Wie die Angst-Therapie verläuft, hängt dabei stark vom jeweiligen Einzelfall ab. In den meisten Fällen erarbeiten wir mit unseren Patienten zunächst ein besseres Verständnis der Ursachen für ihre Ängste. Anschließend unterstützen wir sie dabei, diese Ursachen systematisch zu bekämpfen. Häufig beinhaltet dies, dass wir gemeinsam mit unseren Patienten die von ihnen gefürchteten Situationen aufsuchen und ihnen dabei helfen, ihre Ängste dort zu überwinden. Darüber hinaus erörtern wir mit unseren Patienten aber auch die jeweils individuellen Umstände, die die Entwicklung ihrer Angststörung begünstigt haben, und ergreifen Maßnahmen, um gegen das Wiederauftreten der Angststörung vorzubeugen. Zu diesem Zweck helfen wir unsere Patienten zum Beispiel bei der emotionalen Nachverarbeitung einschneidender Lebensereignisse oder wir unterstützen sie dabei ihre alltägliche Stressbelastung zu verringern.


Siehe auch: Panikattacken | psychosomatische Erkrankungen und Schmerzen