Psychosomatische Erkrankungen und Schmerzen

Einige unserer Patienten suchen uns auf, weil sie unter körperlichen Beschwerden leiden und ihre Ärzte ihren mitgeteilt haben, es handele sich dabei um psychosomatische Beschwerden.

Das heißt, ihnen wurde gesagt, es gebe keine oder jedenfalls keine ausreichende medizinische Erklärung für diese Beschwerden; sie seien vielmehr ganz oder teilweise psychisch bedingt. Meistens handelt es sich dabei um Patienten mit Magendarm-Leiden, mit Herz-Kreislauf-Problemen, mit Beschwerden im Genitalbereich, mit Hautproblemen oder mit Schmerzen. Sie klagen beispielsweise über Übelkeit, Blähungen, Druckgefühle im Bauch, Durchfall, häufiges Aufstoßen, Kloßgefühl im Hals, Mundtrockenheit, unangenehmen Geschmack im Mund, Erbrechen, Atembeschwerden, Herzklopfen, Herzstolpern, Schwindelgefühle, Brustschmerzen, erhöhten Harndrang, Schmerzen beim Wasserlassen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, sexuelle Unerregbarkeit, Erektionsstörungen, Impotenz, frühzeitiger Samenerguss, Hautflecken, Farbveränderungen der Haut, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Gliederschmerzen, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen oder Taubheits- und Kribbelgefühle.

Patienten mit körperlichen Beschwerden kommen anfangs häufig mit einer eher skeptischen Einstellung zu uns in die Psychotherapie. Die Auskunft der Ärzte, ihre Symptome hätten etwas mit ihrer Psyche zu tun, erscheint ihnen möglicherweise wie eine Ausrede. Oft sind sie nämlich fest davon überzeugt, dass es eine körperliche Ursache ihrer Beschwerden geben müsse, dass die Ärzte diese nur noch nicht gefunden hätten – sei es, weil die Ärzte ihren Fall nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit und Sorgfalt untersucht haben oder weil es ihnen an der nötigen Kompetenz mangelt. Nicht selten erleben Patienten den Verweis auf mögliche psychische Probleme auch als Beleidigung: "Sie sind verrückt", oder sie fühlen sich in ihrem Leiden nicht ernst genommen: "Sie bilden sich das alles nur ein". Hinzu kommt, dass sich viele Patienten einfach nicht vorstellen können, wie denn psychische Probleme ein körperliches Symptom wie beispielsweise Furzen hervorrufen können soll oder Schmerzen im Rücken oder eine Verfärbung der Haut.

Was Patienten mit medizinisch unerklärten Körperbeschwerden in der Psychotherapie zu erwarten haben, ist zunächst einmal eine Menge Geduld und Aufmerksamkeit. Anders als die meisten unserer ärztlichen Kollegen verfügen wir nämlich über die zeitlichen Kapazitäten, ausführlich mit unseren Patienten über ihre unterschiedlichen körperlichen Leiden zu sprechen und dabei genau zu eruieren, zu welchen Zeiten und in welchen Situationen diese auftreten, wo im Körper sie wie stark spürbar sind und wie sie sich im Laufe der Zeit verändern. Auf dieser Grundlage können wir mit ihnen gemeinsam das Für und Wieder unterschiedlicher Erklärungsansätze abwägen und daran anschließend – oftmals in Absprache mit anderen Behandlern – sinnvolle Maßnahmen zur Linderung mit ihnen planen.

Dabei geht es zum einen natürlich um Maßnahmen, die auf die belastenden Beschwerden selbst gerichtet sind. Psychotherapeutische Verfahren wie Biofeedback, Entspannungstraining und Veränderungen in der Lebensführung erzielen mitunter erstaunliche Wirkungen. Zum anderen beschäftigen wir uns aber auch mit den Folgeerscheinungen der körperlichen Beschwerden. Manche Patienten quälen sich beispielsweise mit Angst und Sorgen darüber, nicht zutreffend diagnostiziert worden zu sein und womöglich unentdeckt eine schlimme Krankheit wie Krebs oder einen Hirntumor zu haben. Anderen sind ihre Beschwerden vor anderen peinlich. Sie leiden darunter, dass sie keine vollständige Gewissheit darüber erhalten, was mit ihnen los ist, oder sie fühlen sich hilflos, weil sie die Beschwerden nicht kontrollieren können. Auch Wut und Enttäuschung über sich selbst oder über das medizinische Versorgungssystem kommen nicht selten vor. Auf diese Weise erzeugen die ohnehin schon quälenden körperlichen Beschwerden oft noch zusätzlich psychischen Stress. Viele unserer psychosomatischen Patienten sind darüber hinaus starken Belastungen durch einschneidende Lebensereignisse oder durch andauernden Alltagsstress im Beruf oder in der Familie ausgesetzt. Die eingehende Auseinandersetzung mit diesen unterschiedlichen Stressfaktoren und die Erarbeitung geeigneter Bewältigungsstrategien trägt, zum Erstaunen vieler Patienten, nicht nur ganz allgemein zur Verbesserung der Lebensqualität bei sondern bringt häufig auch einen Rückgang der körperlichen Beschwerden mit sich. Dies beobachten wir im Übrigen auch bei Patienten, bei denen eindeutig eine körperliche Ursache ihrer körperlichen Beschwerden vorliegt (beispielsweise ein Bandscheibenvorfall bei Rückenschmerzen oder eine Lebensmittelunverträglichkeit bei Magen-Darm-Leiden).


Siehe auch: Ängste | Panikattacken